Wann wird Sitzenbleiben von gestern sein?

| 11. Apr. 2011 | Kommentare (1)

Das Sitzenbleiben in den Schulen soll ersetzt werden. Durch Module. Allerdings nur in der Oberstufe. Nicht nur das ist bedenklich.

Das Schuljahr ist in den letzten drei Monaten, Prüfungs – und Versagensangst der Schüler sind wieder an der Tagesordnung. Frucht eines veralteten Denkens, das „den Kindern die Schuld am Versagen gibt und das besagt, es sei Aufgabe der Schule zu selektieren und zu bewerten“.

Die gute Nachricht: Das Sitzenbleiben in den Schulen soll nun ersetzt werden. Das Dumme ist: Bislang existiert nur ein (vager) Plan. Geht es nach Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ), soll das Sitzenbleiben ab 2012 durch ein Kurssystem ersetzt werden, Schüler nur noch jene Kurse (Module) wiederholen, die sie unzureichend abgeschlossen haben. Allerdings nur in der Oberstufe. Nicht nur das ist bedenklich.

Rund 40 000 Schüler bleiben in Österreich jährlich sitzen

Europaweit existieren keine Beispiele für die administrative Machbarkeit von derlei punktueller Umsetzung. Auch Wissenschaftsministerin Beatrix Karl fordert weitergehende Reformen. Nicht nur in der Oberstufe, auch in der Neuen Mittelschule und der AHS-Unterstufe sollen Schüler nur noch die Module wiederholen, in denen sie Defizite aufweisen. Ein Problem sei allerdings, dass „ein entsprechendes Fördersystem“ noch fehlt. Auch Ex-Vizekanzler Hannes Androsch, Initiator des Bildungsvolksbegehrens „Österreich darf nicht sitzen bleiben“, sieht für die Umsetzung des Plans noch keine Voraussetzungen geschaffen.

Rund 40 000 Schüler pro Jahr sind in Österreich nicht aufstiegsberechtigt. Zwei Drittel von ihnen wiederholen tatsächlich die Klasse, für einen Erfolg dieses Wiederholungsjahrs fehlt jede Evidenz. Allgemein akzeptiert wird, dass das „System Sitzenbleiben“ schon lange nicht mehr in die Gegenwart passt. „Ein Jahr zu verlieren, ist überflüssig und kontraproduktiv“, meint auch Harald Walser von den Grünen.

Bleibt das Unbehagen, dass die Koalitionspartner beim Rangeln um ein neues System im Kleinkrieg erschlaffen könnten. Zweifel am Vorhandensein kompetenten Problembewusstseins müssen bis auf weiteres gestattet sein, der eigentliche Sinn – jedem einzelnen Schüler möglichst viel beizubringen – könnte baden gehen.

Foto: Adrian Platt, Lizenz: CC BY-SA 2.0

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Kommentare (1)

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  1. Marc sagt:

    mir sagt es, das am Schulsystem etwas nicht stimmt und nicht an den Schülern !!

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