Dyspraxie oder: Ist Ihr Kind in der Schule „langsam“?

| 18. Mrz. 2011 | Kommentare (5)

Wenn Ihr Kind in der Schule langsamer lernt als die anderen, heißt das nicht, dass es ihm an Intelligenz fehlt. Wahrscheinlicher, dass es Dyspraxia hat.

Daniel Radcliffe (Harry Potter) hat es, er war in der Volksschule eine Niete und kann bis heute nicht mit Schnürsenkeln umgehen (siehe Info unten). Ernest Hemingway und George Orwell hatten es. Sogar Albert Einstein soll darunter gelitten haben: Dyspraxie, eine lebenslange Lernschwierigkeit, die medizinischen Schätzungen nach 8-10% aller Kinder betrifft, die Buben häufiger als die Mädchen.

Dyspraxie ist eine Koordinations – und Entwicklungsstörung, die es dem Kind im fortgeschrittenen Stadium erschwert, „den Körper das tun zu lassen, was es will und wenn es will, dass es das tut“. Daher wird Dyspraxie auch „Syndrom des ungeschickten Kindes“ genannt und auffällig wird es, wenn das Kind gewisse Aktivitäten nicht schafft, die von Kindern eines gewissen Alters erwartet werden.

Harry Potter kann bis heute nicht seine Schuhe binden

Die Schwierigkeiten liegen im feinmotorischen Bereich und treten bei komplizierteren Abläufen zutage. Hier nur ein paar von vielen Beispielen: Wenn das Kind

*im Sport Schwierigkeiten hat, einen Ball zu fangen oder bei Tennis oder Fußball auffällig „untalentiert“ erscheint

*in der Schule beim Schreiben die Buchstaben trotz mehrjährigen Übens nicht in einer Zeile belassen kann

*im Alltag beim Anziehen der Kleider, Binden der Schnürsenkel oder Manipulieren von Messer und Gabel auffälliges Ungeschick zeigt,

ist Dyspraxie eine häufige Diagnose. Die gute Nachricht: Dies bedeutet keineswegs, dass es dem Kind an Intelligenz fehlt, auch hochintelligente Menschen können an Dyspraxie leiden. Die unangenehme Nachricht: Dyspraktische Kinder müssen länger und öfter üben, um beispielsweise in der Schule „auf Stand“ zu bleiben. Und sie brauchen verständnisvolle Eltern. Das beginnt in der Tat mit dem „Verstehen“ und Identifizieren einer auffälligen motorischen Ungeschicktheit als Dyspraxie. „Spricht man über die Störung und deren Auswirkungen, erfährt man eine große Erleichterung bei den Eltern“, die dadurch im Umgang mit dem Kind weniger Schaden anrichten (unangebrachtes Tadeln des Kindes kann zu schweren Selbstzweifeln führen).

Die Ursachen von Dyspraxie kann man noch nicht behandeln. Aber man kann die feinmotorische Koordination verbessern. Lesen hilft, gezieltes „Handeln nach Plan“ wird empfohlen. In schweren Fällen von Dyspraxie helfen Ergotherapie oder auch mundmotorische Therapie (z.B. beim Logopäden).

Mehr Info: Dyspraxie – was ist das?

Archiv: Die Leiden des Harry Potter

Foto: Ursulakm, Lizenz: CC BY-SA 2.0

 

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Kommentare (5)

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  1. payday loans sagt:

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  2. Jessi sagt:

    Endlich lese ich auch Artikel über Dyspraxie in Deutsch! Mein Sohn (8Jahre) ist betroffen, aber wenn ich der Englischen sprache nicht mächtig wäre hätte ich bis heute keine Erklärung für seine Probleme. Es ist so unglaublich wichtig darüber bescheid zu wissen. Vorallem auch zu wissen das ein schusseliges Kind nicht zwangsweise Dyspraxie hat und ein Kind mit Dyspraxie eben nicht “nur” schusselig ist, es gibt soviel im Alltag und im Denken der kinder was nicht verständlich ist- es sei den man kennt das Problem.

  3. Alisa_DCD sagt:

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    Vielen Dank im Voraus!

  4. [...] Krankheiten, die diese Felder betreffen, können deswegen meistens sehr früh erkannt werden, besonders die Dyspraxie, die sich durch überdurchschnittliche motorische Defizite auszeichnet. Diese Defizite machen sich [...]

  5. Birgitta sagt:

    Was die meisten nicht wissen ist, dass es auch zu voellig anderer Informationsverarbeitung fuehrt, und mind maps sind noch lange nicht ausreichend. Die kognitive Komponente wird oft uebersehen, weil der Term Verhaltensprobleme suggeriert. Es geht nicht nur darum, Teller fallen zu lassen oder Schuhe nicht zubinden zu koennen.

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