Das Süße an der Muttermilch ist wertvoll
Warum sind in der Muttermilch so viele Zuckerstoffe enthalten, fragen sich die Forscher? Denn über 90 Prozent der Zuckerstoffe, die Säuglinger über die Muttermilch zu sich nehmen, landen von Speichel, Magen und Darm unbehelligt am Ende wieder in der Windel. Der Zucker könnte in der Lage sein, gefährliche Bakterien an sich zu binden und damit den noch ungeschützten Säuglingsverdauungstrakt zu schützen, berichten Wissenschafter in der FAZ unter dem Titel: “Muttermilch: Mamas süßes Geheimnis”.
Bakterienabfuhr.
Unangenehme Darmbesucher wie der Cholera-Erreger, Salmonellen oder das Durchfallbakterium Campylobacter jejuni können nämlich nur dann im Magen der Babys ihr Unwesen treiben, wenn sie sich über winzige Anker in der Zuckerhülle, welche die Darmoberfläche bedeckt, vergraben. Dazu muss man wissen, dass Säuglinge bei der Geburt noch keine Keime in sich tragen und damit auch keine “gutartigen” und reinigenden Bakterien in sich tragen. “Einige Oligosaccharide ähneln nun genau den Strukturen, an die sich die Bakterien hängen”, erklärt Bode. “Sie werden auf diese Weise abgefangen und aus dem Darm herausgespült.” Das geschieht nicht nur im Darm, sondern widerfährt bereits ungebetenen Gästen, die sich in Mund und Speiseröhre tummeln.
Flaschenkinder haben’s schlechter?
Was heißt das aber nun für jene Mütter, die ihre Kinder nicht stillen können oder wollen? Haben ihre Kinder schlechtere Karten? Die Fülle an komplexen Zuckermolekülen in der menschlichen Frauenmilch sei einzigartig. Kuhmilch und damit auch die auf der Kuhmilch basierende Flaschenmilch hat diese Inhaltsstoffe kaum. Deshalb würden einige Hersteller von Flaschenmilch ihren Rezepturen als Ersatz sogenannte Galacto- (GOS) und Fructo-Oligosaccharide (FOS)beifügen.Obwohl die Ersatzstoffe wesentlich simpler aufgebaut sind als die komplexen Vorbilder, fördern auch die Milchersatzstoffe das Wachstum von Bifidobakterien im Darm der Flaschenkinder. Vor fünf Jahren konnte eine Studie an 206 Mailänder Kindern mit hohem genetisch bedingtem Allergierisiko zeigen, dass Galacto- und Fructo-Oligosaccharide ähnlich wie das Stillen die Allergiehäufigkeit senken können, so die FAZ.
Während 24 von 104 Kindern in der Kontrollgruppe nach sechs Monaten eine Neurodermitis entwickelten, waren es in der Gruppe, die den Zusatz erhielten, nur zehn von 102 Kindern. “Offenbar verändert die Beimengung die Darmbesiedlung im positiven Sinne”, sagt Thomas Eiwegger von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien.
Ein Risiko sei aber, dass die künstlichen Zusatzstoffe zügig die Darmwand überwinden könnten und damit rein theoretisch im Körper zirkulieren. Eine Gefahr?
Was sie hier anrichten, sei völlig unbekannt. “Um unerwünschte Effekte auszuschließen, sind noch weitere Studien nötig”, wird Eiwegger zitiert. Als Kinderarzt sehe er bisher noch nicht genügend Beweise, eine angereicherte Flaschenmilch zur Therapie zu empfehlen; abraten würde er von einer solchen aber auch nicht, so dr Arzt.
Ein anderer Wissenschafter, Lars Bode, rät gerade bei Neugeborenen zur Vorsicht, da man bisher nicht alle Effekte vorhersagen könne. Bedenklich stimmt beispielsweise die Lektüre einer drei Jahre alten Studie französischer Forscher von der Universität Nantes. Im unreifen Darm von bis zu zwanzig Tage alten Ratten hatten Fructo-Saccharide die natürliche Darmbarriere geschwächt und Salmonellenbakterien den Übertritt vom Darm in andere Körpergewebe erleichtert.
Fazit: Fructo-Saccharide in der Babymilch, es zahlt sich aus den eigenen Kindrarzt danach zu fragen
Foto: CC shingle http://www.flickr.com/photos/ybrad/





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